Ausgangssituation

Hunderttausende Afghanen sind in ihrer Heimat auf der Flucht. Längst schon sind weit mehr Menschen Vertriebene in den Grenzen ihrer eigenen Staaten als jene, die in andere Länder geflohen sind, wo ihre Betreuung durch internationale Hilfsorganisationen meist besser möglich ist. Grund für den Anstieg der Flüchtlingszahlen sind laut den Vereinten Nationen die anhaltenden und sich ausbreitenden Konflikte im Land. Hinzu kommen Mangelernährung und die Gefahr durch explosive Kriegsrückstände sowie IEDs.

Herat gehört zu den bedeutendsten Fluchtzielen der Binnenflüchtlingen. Es grenzt an die Provinzen Badghis und Ghor, die von der seit fast drei Jahren anhaltenden Dürre besonders schwer betroffen sind. Die meisten Binnenflüchtlinge haben bei ihrer Anreise nichts weiter dabei als das, was sie am Leib tragen. Doch die Dürre ist nicht der einzige Fluchtgrund. In den Provinzen Farah, Badghis und Ghor sind Terrorgruppen besonders aktiv und die Bewohner kämpfen täglich mit der Angst vor Angriffen durch Aufständischen: Das Massaker in Ghalmin in der Provinz Ghor, bei dem im Oktober 2016 etwa 30 Zivilisten, darunter auch Kinder, hingerichtet wurden, ist nur ein Beispiel für die gravierende Sicherheitslage in diesen Provinzen.

Mehr als die Hälfte der Vertriebenen sind laut der Flüchtlingsbehörde Herats Kinder. Vermehrt gibt es auch unerwartete Massenabschiebungen afghanischer Flüchtlinge aus dem Iran über den Grenzübergang Islam Qala nach Herat. Etwa eine Million Afghanen mussten 2017 unfreiwillig in das kriegszerrissene Land zurückkehren. Da Mazar-e Sharif und Herat zu den sichersten Zonen Afghanistans zählen, sind die beiden Provinzen Hauptziel der Flüchtlinge.

Obwohl Bildung ein grundlegendes Menschenrecht darstellt (Art. 26 der Menschenrechtserklärung), ist der Zugang zu Bildung in einer solchen Situation nicht selbstverständlich. Die Provinzregierung verfügt nicht über die nötigen finanziellen Mittel, um in der ganzen Provinz Schulgebäude für alle Schulkinder zu errichten. Daher findet der Unterricht häufig noch im Freien, in Zelten, in unzureichenden gemieteten Räumen oder sogar in Ruinen statt. Die Abdul Wahed Bahra Schule im Distrikt Injil gehört zu den Schulen, die zum Großteil von Kinder der Binnenflüchtlinge besucht werden.

Problemstellung und Lösung

Die unzureichenden Lernbedingung stellen ein enormes Problem an dieser Schule dar und hindern die Schüler daran, Bildung zu erlangen. Durch den engen Kontakt unseres Mitglieds Winuss, die in Herat lebt und vor Ort das Projekt koordiniert, schufen wir eine reibungslose Kommunikation zwischen der Schulleitung in Herat und dem Visions-Team in Hamburg – mit Winuss als Bindeglied.

Nachdem Venus im Winter die Schule besichtigte und den dringenden Bedarf feststellte, fertigte sie gemeinsam mit der Schulleiterin eine Bedarfsliste an, an der wir uns orientierten.

Im ersten Schritt halfen wir bei der Anschaffung von dringend benötigtem Inventar und Unterrichtsmaterialien. Dazu zählten: Stühle, Tische, Tafeln und Regale. Die Übergabe der neuen Anschaffungen fand in feierlicher Stimmung mit Essen und Getränken zum persischen Neujahrsfest („Nouroz“) statt.

Doch viel dringender benötigt diese Schule ein neues Gebäude. Hier arbeiten wir derzeit an einer Lösung, um den Kindern eine menschenwürdige und inspirierende Lernatmosphäre zu schaffen.